WIR KÖNNEN BESSER HÖREN ALS SEHEN!

Deshalb sollten wir uns aber nicht an schlechtes Licht gewöhnen. Nachdem die LED-Hype, bei der es im Wesentlichen um die Energieeffizienz ging, endlich überwunden scheint, müssen wir jetzt lernen gutes Licht zu erkennen.

Schiefe Töne erhören wir sofort. Für schlechtes Licht haben wir aber noch kein Gefühl entwickelt, weil nur die wenigsten LED-Lichtquellen „gut“ designed sind. Das geht immer noch soweit, das eine helle Lichtquelle, mit hellem Licht verwechselt wird. In Wirklichkeit suggeriert die hohe Leuchtdichte, nur eine helle Beleuchtung und führt dazu, das durch die Blendwirkung die Pupille verengt und man letztendlich weniger sieht.

Das fällt vor allem dann auf, wenn Licht durch enge Öffnungen gepresst wird um Flächen zu beleuchten. Zum Beispiel vor Spiegeln mit integrierter Beleuchtung. Hier sind die Lichtaustritte häufig so schmal dimensioniert und gleichzeitig die LED-Leuchtstärke so groß, das man am Ende weniger sieht.

Ganz abgesehen vom Schattenwurf, der umso stärker wirkt, je punkt- oder strichförmiger und zahlreicher die Lichtquellen sind. Flächig austretendes Licht niedriger Intensität oder indirektes Licht ist da wesentlich hilfreicher. Die austretende Lichtmenge verringert sich nicht, die Blendwirkung wird vermieden und man sieht mehr.

Unsere Augen haben 3 Sensoren, jeweils einen für Rot, Grün und Blau. Aber die Information kann von uns nicht differenziert verarbeitet werden. Farbanteile können wir nicht erkennen und damit auch nicht woraus weißes Licht wirklich besteht. Ob nur aus den Komplementärfarben Blau und Gelb oder wie Sonnenlicht aus einer Mischung der Regenbogenfarben. Erst indirekt, durch Reflexion auf bunten Oberflächen bemerkt das Auge, das die Farben verfälscht sind.

Hier liegt der Unterschied zwischen hören und sehen. „Schiefe“ Töne erkennen wir genau so schnell wie Obertöne in einer Musik. Eine spektrale akustische Auflösung aus welchen Tönen eine Musik besteht, ist mit dem Trommelfell in unseren Ohren und deren neuronaler Verschaltung im Gehirn leicht möglich.

Obwohl ein wesentlicher Teil unserer Wahrnehmung über das Sehen erfolgt, scheint die Ausbildung eines differenzierten Hörens in den neuronalen Verbindungen deutlich längern zu dauern und komplexer zu sein, als das des Sehens. Der Umkehrschluss legt nahe, das Sehen eine geringere neuronale Komplexität erfordert und deswegen weniger gut funktioniert.

Neben diesen Verarbeitungsaspekten besitzt Licht aber auch biologische Wirkungen, die bei Beleuchtungen berücksichtigt werden müssen. Auch bei besser gestalteter Lichtemission ohne Blendwirkung, ist Licht nicht automatisch gut. Gerade weil Licht vielfältige biologische Wirkungen hat, kommt es auch auf die spektrale Verteilung und vor allem dessen Schwerpunkt an. So kann Licht aktivierend oder entspannend wirken. Entscheidend ist bei weissem Licht der spektrale Schwerpunkt, auch als Farbtemperatur bezeichnet, und die dabei vorhandene Helligkeit.

Auf zellulärer Ebene ablaufende Effekte spielen für den Menschen dabei eine Rolle. So ist der zeitliche Zusammenhang von Farbtemperatur und Helligkeit stark Einfluss nehmend auf das Befinden. Die Erklärung des zugrunde liegenden zirkadianen Rhythmus ist gerade erst 2017 mit dem Nobelpreis für Medizin bedacht worden. Bemerkenswert ist der tief verwurzelte Wirkungsmechanismus auf Zellebene, der generalisiert für alle Lebewesen und nicht nur für den Menschen gilt. Die Störung der Synchronität von Zellaktivität und Lichtverlauf über den Tag wirkt auf biologischer Ebene, wie zum Beispiel beim Jetlag. Aber auch schon kurzzeitige Störungen mit kalten, blauhaltigen und hohen Farbtemperaturen führen zu einer Aktivierung der Zellen, damit des Körpers und unterbrechen die Entspannung. Das Ergebnis ist schlechteres Einschlafen oder Aktivität bei Kindern, wenn es ins Bett gehen soll.

In den eigenen 4 Wänden kann am Abend, am Morgen und dazwischen in der Nacht, abhängig von der Uhrzeit, mit dem richtigen Licht, das Wohlbefinden gesteigert werden. Der zirkadiane Rhythmus, integriert in die Licht-Steuerung und die passende LED-Leuchte sollte zum Standard werden.

Das setzt allerdings 3 Dinge voraus, die im viel beschworenen IoT umsetzbar sein sollten.

  1. muß die Lichtquelle geeignet sein, das gewünschte Raumlicht in Farbtemperatur uns Helligkeit zu erzeugen
  2. muß eine geeignete Steuerung die zirkadiane, automatische und manuelle Steuerung der Lichtquelle erlauben
  3.  muß eine allgemeine Systemzeit vorhanden sein, die alle Lichtsteuerungen synchron hält

ASM hat dazu ein Modell entworfen, wie Farbtemperatur und Helligkeit in einem zirkadianen Rhytmus dargestellt werden können und das eine zentrale Zeit zur Verfügung gestellt wird, die alle Lichtquellen dem zirkandianem Modell unterwirft. Damit wird Einfluss auf die Melatonin-Ausschüttung genommen.

Dieses Diagramm verdeutlicht in einem 24h-Ryhtmus den Zusammenhang zwischen Helligkeit und Farbtemperatur über den Tag hinweg. Niedrige Helligkeiten und Farbtemperaturen liegen nahe dem Zentrum, höhere Farbtemperaturen und Helligkeiten nah am äußeren Kreis. Der Kreis selbst stellt den Tagesverlauf im Stundenrhytmus dar. Nachts mit wenig Helligkeit und niedrigen, rötlichen Farbtemperaturen, am Morgen aktivierend und hell, wird über jede Stunde des Tages ein Sonnenlicht-Äquivalent erzeugt. Der Tagesrhythmus des natürlichen Außenlichtes wird beim Kunstlicht weitgehend beibehalten, die Zellen mit ihrem zirkadianen Rhythmus nicht aus dem Tag/Nacht Gleichtakt gebracht und dadurch das Wohlbefinden gesteigert.

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